Die Erwerbsersatzordnung

Die Erwerbsersatzordnung bildet, zusammen mit der Militärversicherung, den ältesten Teil unseres Sozialversicherungssystems. Erst später kamen AHV und Konsorten, wie sie heute für uns selbstverständlich sind, dazu. Ein Überblick zur Geschichte der EO, wie sie funktioniert und welche zusätzlichen Leistungen eingefordert werden können – dies soll dieser Artikel aufzeigen.

Der Sold, welcher ursprünglich dazu gedacht war den Tageslohnausfall eines Soldaten zu decken, stellte sich bereits im ersten Weltkrieg als zu gering heraus. Viele Soldaten konnten mit dem erhaltenen Geld nicht einmal ihre Familien ernähren, was zu sozialen Spannungen führte und einige Forderungen des Generalstreiks 1918 begründete. Eine Lösung auf nationaler Ebene zu dieser Frage war, aufgrund der unsicheren Konjunktur und Wiederstand seitens der Arbeitgeber, jedoch nicht möglich.
Zwar führten grössere Unternehmen, sowie der öffentliche Dienst, schrittweise eine entsprechende Lohnersatzordnung für Dienstleistende ein, welche jedoch nur einer Minderheit der Betroffenen zu gute kam. Die durch den Armeedienst anfallenden Kosten waren zwischen den Arbeitgebern ungleich verteilt, was einen Nachteil, gerade für die jungen Männer, welche mehr Diensttage zu leisten hatten, darstellte.

Vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs entwarfen sowohl der Bund, wie auch die Gewerkschaften, Projekte zur Unterstützung der Soldaten im Dienst. Diese waren zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs jedoch allesamt nicht fertig umgesetzt. Um staatliche Interventionen oder gewerkschaftliche Vereinnahmung zu verhindern, waren es letztlich die Arbeitgeber, beziehungsweise der damalige Vorläufer des Arbeitgeberverbands, welche zu Kriegsbeginn eine eigene Ausgleichskasse gründeten. Diese Struktur wurde dann auch bald durch öffentliche Kassen (des Bundes und der Kantone) ergänzt. In diese Kasse flossen Beiträge aller Berufstätigen, auch von Frauen und Ausländer/-innen, sowie die Subventionsbeiträge des Bundes.

Das Erfolgsmodell der EO, insbesondere die Tatsache, dass dadurch die Bildung grosser Reserven möglich geworden sind, diente deshalb später auch als Vorbild für die AHV, wobei ein Teil der EO-Reserven in diese flossen, um zusätzliche Steuern zu vermeiden. Symbolisch wurde somit die Solidarität zwischen der Bevölkerung und der Milizsoldaten auf die älteren Menschen übertragen.

Mit dem Ende des Kalten Kriegs und dem damit einhergehenden Abbau der Armee, kam die Idee einer Erweiterung der EO auf Mutterschaft auf. Diese Idee wurde letztlich 2004 auch umgesetzt und führte dazu, dass die Frauen nach über 60 Jahren, in welchen sie Beiträge an die EO leisteten, zum ersten Mal selber in den Genuss dieser Versicherung kamen. Somit dient die EO, auch heute noch, dem ursprünglichen Zweck: den Dienst am Vaterland zu entschädigen.

Heute bezahlt jeder 0.225% seines Bruttolohnes in die EO ein. Damit werden die Dienstleistenden von Militär, Zivilschutz und Zivildienst, sowie die jungen Mütter, mit mindesten 80% ihres generellen Lohnes entschädigt. Eine allfällige, gesamte Auszahlung des Lohnes während der Dienstzeit, bzw. des Mutterschaftsurlaubs, sind somit freiwillige Leistungen des Arbeitgebers!

Durch weitere Senkungen der Armeebestände, was jüngst durch die Herabsetzung der Dienstdauer bewerkstelligt wird, nimmt die Anzahl der Dienstleistenden weiterhin ab. Der zu leistende EO-Beitragssatz könnte deshalb in Zukunft sinken, oder aber für andere Projekte wie einen Vaterschaftsurlaub eingesetzt werden.

Nach dem Dienst wird die EO-Karte dem Arbeitgeber abgegeben oder ausgefüllt der Ausgleichskasse des Wohnsitzkantons zugesendet. Falls die EO-Karte verloren gegangen ist, kann eine Kopie des DB der Ausgleichskasse zugesendet werden.

In diesen Fällen werden, zusätzlich zur Grundentschädigung, weitere Leistungen vergütet:

Kinderzulagen
Für Kinder unter 18 Jahren bzw. unter 25 Jahren, wenn sie in Ausbildung sind, werden 20 CHF pro Kind und Tag zusätzlich vergütet. Die Begrenzung der Gesamtentschädigung bewirkt, dass die Kinderzulage nicht in jedem Fall voll ausgerichtet wird. Um die Kinderzulagen einzufordern reicht es aus die Kinder im EO-Formular einzutragen.

Betriebszulagen
Selbstständig erwerbende erhalten zusätzlich zu ihrer Basisentschädigung einen Zuschlag von 67 CHF/ Tag. Für diese Entschädigung muss das Kästchen selbständig erwerbend auf dem EO-Formular angekreuzt werden.
Die Betriebszulage wird auch bei hauptberuflich mitarbeitenden Familienmitglieder in der Landwirtschaft ausgerichtet, wenn diese während einer Dienstdauer von mindesten 12 Tagen, während 10 Tagen durch eine entsprechende Aushilfe ersetzt werden müssen. Der Barlohn der Aushilfe muss dabei im Tagesdurchschnitt ein Minimum 67 CHF pro Tag betragen.

Betreuungskosten
Für Kinder unter 16 Jahren im gemeinsamen Haushalt können zusätzliche Betreuungskosten mittels des entsprechenden Zusatzformulars eingefordert werden. Anspruch besteht ab einer Dienstdauer von mehr als 2 Tagen. Es werden die tatsächlichen Kosten, ab 20 Franken pro Dienstperiode, höchstens aber 67 CHF pro Diensttag vergütet. Bezahlt werden nur Mehrauslagen, die entstehen, weil die dienstleistende Person regelmässige Betreuungsaufgaben nicht selber wahrnehmen kann. Als effektive Kosten gelten Beispielsweise die Reisekosten der Grossmutter oder ein zusätzlicher Krippentag.

Die Ergänzungsblätter sind zusammen mit der EO-Karte einzureichen.

Formulare findet ihr hier.